Gasius Worx

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Gasius erscheint uns

Martina Vodermayer und Gerald Fiebig haben eine Videoinstallation geschaffen. Nehmt euch zehn Minuten Zeit und genießt! Es lohnt sich!

»Sankt Gasius« war der Spitzname, den die Arbeiter des Gaswerks Augsburg-Oberhausen den
engelsähnlichen Schattenfiguren gaben, den die Wendeltreppen des großen Teleskopgasbehälters bei einem bestimmten Sonnenstand auf dessen Außenhaut werfen. Die Erscheinung des »Gasius« bildet das visuelle Leitmotiv der Installation, die aktuelle Videoaufnahmen vom Gaswerksgelände mit historischen Fotos aus dem Archiv der Gaswerksfreunde Augsburg e.V. verbindet.
Durch Überblendungen wird der »Gasius« , der in der Realität nur auf dem großen Teleskopgas­kessel erscheinen kann, auch auf den kleineren Behälter daneben projiziert – ein mahnender Fingerzeig, dass auch diese weniger prominenten, aber ebenfalls sehr charakteristischen architek­tonischen Zeitzeugen auf dem Gaswerksgelände erhaltenswert sind. Jedes Erscheinen des „Gasius“ auf dem von grünem Gras umgebenen kleinen Teleskopgasbehälter geht einher mit einer subtilen Veränderung im Klangbild der Installation. Zunächst hört man eine von Vogelgesang dominierte, für einen urbanen Raum geradezu wie eine Naturidylle anmutende Klanglandschaft, die zusammen mit den Videobildern im Sommer 2019 aufgenommen wurde. Mit jeder Wiederkehr des »Gasius« treten gasartiges Zischen und metallisch anmutende Geräusche weiter in den Vordergrund.
Sie evozieren die industrielle Vergangenheit des Gaswerks, die auch die historischen Fotos
dokumentieren. Parallel dazu häufen sich Bilder des heutigen Verfalls der historischen Bausubstanz.
Die Videoinstallation »Gasius« ist somit eine allgemeingültige Meditation über das Vergehen der Zeit im Spannungsfeld von Fortschritt und Zerstörung, Verschwinden und Bewahren – aber auch eine ganz konkrete Hommage an die Architektur des Augsburger Gaswerks und an die vielen Menschen, die dort jahrzehntelang schwere, gefährliche Arbeit verrichtet haben.
(Gerald Fiebig, 2019)