Gasius Worx

Kunst Pfad

Unsere Welt ist durch Sorge und Fürsorge aufgrund einer weltweiten Virus-Epidemie geprägt. Mit einem partizipativen Kunstprojekt am Gaswerk Augsburg stellen wir uns die Frage, wie fürsorglich sind unsere Systeme, wie kann eine fürsorgliche Welt aussehen? Das Gaswerk als Relikt aus der hochindustrialisierten Zeit der Stadtgasgewinnung bietet hierfür ein widersprüchliches Ambiente. Die größtenteils noch gut erhaltenen Gebäude sind von einer einzigartigen Architektur und ästhetischen Schönheit. Sie lassen aber auch erahnen, wie gefährlich es für Betriebsangehörige war, die technischen Anlagen zu bedienen. Wie war es um die Wohlfahrt der Belegschaft bestellt, welche Fürsorge hat sie erfahren? Mit unserem Kunst Pfad transformieren wir diesen Stoff an mehreren Stationen im Außengelände des Gaswerks in die heutige Zeit verwenden dabei inklusive Elemente, um sehbehinderten Menschen zu ermöglichen, an Kunst zu partizipieren.

GASIUS - Schutzpatron des Gaswerks

Künstlerinnen/ Mitwirkende: Lina Mann, Marion Goth, Wolfgang Böhme, Claudia Böhme, Susanne Thoma

Inklusive Kunst: Wir planen neben der Installation mehrere Live-Events mit Dunkel-Lesungen mit dem Ziel, ein Kunsterlebnis zu schaffen, das mit möglichst vielen Sinnen (sehen, riechen, hören) erfahrbar ist.

Termine: Workshops ab Ende Mai, Lesungen im Juli

Durch eine Installation am Teleskopgasbehälter II erforschen wir, wie GASIUS auch heute noch als Schutzpatron wirken kann. Seit 1917 ist GASIUS jedes Jahr im Frühjahr als engelsgleiche Schattenfigur zu sehen. Die Gaswerksangehörigen haben diesen Schatten zu ihrem Schutzpatron auserkoren. Sie waren fest der Meinung, nur durch GASIUS konnten das Werk und seine Menschen darin Unfälle und Kriegsjahre überstehen. GASIUS ist bis heute eine romantische Vorstellung eines höheren Wesens mit einem sinngebenden Plan geblieben, nämlich dem, dass das Gaswerk weiterhin Schutz und Fürsorge nötig hat. Denn es ist eine Mammutaufgabe, die Gebäude zu erhalten und sie einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.

Im Jahr 2020 haben wir begonnen, uns künstlerisch mit dem Schutzpatron des Gaswerks auseinanderzusetzen. Wir haben GASIUS in den Mittelpunkt einer Installation gestellt und dabei erste Schritte unternommen, die Schattenfigur mit verschiedenen Sinnen erlebbar und somit für Menschen mit Sehbehinderung zugänglich zu machen. Die Installation war im September 2020 im Portalgebäude des Gaswerks zu sehen und zu hören.

BLAU MACHEN – über die Wohlfahrt am Gaswerk

Künstlerinnen: Ingrid Alsmann, Susanne Thoma

Inklusive Kunst: Zu allen Motiven fertigen wir Audiodeskriptionen an, die mit einem QR-Code aufrufbar sind.

Termine: Workshops im Juni, Ausstellung ab Juli

Eine Station des Pfades bildet die Gefahrensituationen am Industriestandort Gaswerk und die Wohlfahrt der Arbeiter:innen ab. Das Gaswerksmuseum Augsburg stellt uns sein umfangreiches Fotoarchiv zur Verfügung. Wir gestalten aus Fotocollagen auf Stoffbannern eine Ausstellung im Parkgelände. Die Stoffbanner stellen wir im Blaudruckverfahren her. Blau steht in der Farbsymbolik für Harmonie, Zufriedenheit und Ruhe. Die Farbe gilt als beruhigend und entspannend und unterstreicht den Wohlfahrtsgedanken. Die Redewendung BLAU MACHEN steht im Zusammenhang mit dem „blauen Montag“. An diesem Tag konnten sich Färbergesell:innen früher ausruhen, nachdem sonntags Stoffe in das blaue Farbbad gelegt wurden. Die Farbe entwickelte sich, wenn die Stoffe nach dem Farbbad an der Luft trockneten. So hatten die Arbeiter:innen montags frei. Das moderne Blaudruckverfahren, auch Cyanotypie genannt, funktioniert in ähnlicher Weise durch Einwirkung von Sonnenlicht auf Stoffe.

SHELTER I und II - Luftschutzbunker und Bombenangriffe

Künstler:innen: Arnold Schenk, Sophie Te, Susanne Thoma

Inklusive Kunst: Wir produzieren zusätzlich eine Soundcollage, damit auch Menschen mit Sehbehinderung das Kunstwerk umfassend erleben können.

Termine: Installation der Soundcollage im Juli, 3-D-Erlebnis voraussichtlich im August

Auf dem Gaswerkgelände sind mehrere Luftschutzräume erhalten. Dorthin flüchteten Werksangehörige bei einem Luftangriff während der Arbeitszeit. Das Leben im Krieg am Gaswerk sowie die Erlebnisse in den Bunkern sind in dem Roman „Tag null – Tag eins“ von Hans Prölss beschrieben. Sein autobiografisches Werk basiert auf Tagebuchaufzeichnungen. Aus diesem historischen Material erarbeiten wir eine 3-D-Erfahrung. Mit einer Virtual-Reality-Brille wird das Leben im Bunker nachvollziehbar, auch ohne ihn real zu betreten. Durch das 3-D-Erlebnis entsteht eine intensive Auseinandersetzung mit einem sehr speziellen Zufluchtsystem in Ausnahmesituationen wie Krieg und Katastrophen.

LOST

Künstlerin: Stefanie Kraut

Inklusive Kunst: Eine Audioarbeit begleitet die Intervention und nimmt die Bepflanzung genauer unter die Lupe.

Termin: ab Juli

Die Arbeit bezieht sich auf ein Lebensgefühl, das eine nachkommende Generation empfindet und teils prägt. Welche langfristigen Folgen die Corona-Pandemie für die Jugend hat, ist noch unklar. Wir müssen uns fragen, welcher Fürsorge es bedarf, damit diese Generation nicht verloren ist. Sich in einem Luftschutzbunker aufhalten zu müssen, hat ebenfalls stark mit einem Gefühl des Verlorenseins zu tun. Dieser Raum ist von außen unsichtbar, da er sich unter der Erde befindet. Die Künstlerin holt seine Dimensionen an die Oberfläche, indem sie seinen Grundriss auf der Wiese darüber nachzeichnet. Die Bunkermaße werden durch eine besondere Bepflanzung in Erscheinung treten – und mit ihnen der Schriftzug LOST. Die Wiese über dem Bunker lädt dazu ein, sich auf ihr niederzulassen und wird zum Ort des Nachspürens von Dasein und Wegsein, von Aufgehobensein und Verlorengehen.