Gasius Worx

Distelfink

Warum heißt der Stieglitz eigentlich Distelfink?

Es zwitschert und tönt gewaltig auf dem Gaswerksgelände – wer lebt denn da eigentlich alles? Wir schauen uns heute den bunten Stieglitz an.

Der Stieglitz (Carduelis carduelis) ist mit 12 cm der kleinste in der Finkenfamilie und ein sehr auffälliger bunter Singvogel. Anhand seiner kräftig roten Gesichtsmaske, dem schwarzen Nacken und Oberkopf, dem zimtfarbenen Rücken und den von den schwarzen Flügeln deutlich abgesetzten leuchtend gelben Flügelstreifen ist er auch für Laien gut erkennbar. Er frisst fast ausschließlich halbreife und reife Sämereien von Stauden und Bäumen und 152 Wildkräutern, z.B. Hirtentäschel oder Vogelmiere. Er bevorzugt dabei verschiedene Distelarten, daher auch sein anderer Name Distelfink.

Er ist ein geschickter Akrobat, der kopfunter picken und sehr gut klettern kann. Der Stieglitz ist ein geselliger Bursche, der gern in kleinen Brutkolonien lebt. Seine Nester liegen an hoch gelegenen Orten mit gutem Ausblick, meistens brütet er zweimal im Jahr mit je fünf gesprenktelten Eiern. Freilebend werden Stieglitze 8 bis 9 Jahre alt. Ein großes Problem ist, dass die hübschen Singvögel oftmals aus freier Wildbahn gefangen und in Volieren verbracht werden, vor allem in südlichen Ländern. Der Distelfink ist ein sogenannter Teilzieher, das bedeutet, dass er in Gegenden mit warmen Wintern standtorttreu ist und das ganze Jahr über beobachtet werden kann. Regionen mit kälteren Wintern mag er nicht, von hier zieht er für ein paar Monate dahin, wo es wärmer ist.
Seine Lebensräume sind Streuobstwiesen, Friedhöfen, naturnahe Gärten, im Winter auch auf Brachflächen. Von daher ist das Gaswerksgelände mit den vielen Obstbäumen perfekt für ihn. Dort leben jedoch auch einige seiner Fressfeinde wie der Wanderfalke oder Elstern.

Seinen Gesang könnt ihr hier anhören: https://www.deutsche-vogelstimmen.de/stieglitz/.

Der Distelfink ist auch in der Mythologie recht weit vertreten, er gilt als Symbol für Ausdauer, Fruchtbarkeit und Beharrlichkeit. Im Mittelalter galt er als Talisman zum Schutz vor der Pest, gebratene Stieglitze halfen angeblich als Heilmittel gegen Bauchweh und lebende Vögel wurden im Zimmer von Schwindsüchtigen in Volieren aufgehängt.

Wir möchten uns an dieser Stelle beim Naturwissenschaftlichen Verein Schwaben und seinen Mitgliedern bedanken, die uns gerne immer wieder Fotos zur Verfügung stellen.

Information

Wie der Stieglitz zu seinen Farben kam

Als der liebe Gott alle Tiere und Vögel geschaffen hatte, da malte er sie auch an, den Fuchs rot, den Schimmel weiß, die Hunde braun und weiß und schwarz, das Schaf weiß, und so fort. Aber als er ganz fertig war und sich alles ansah, was er gemalt hatte, da kam noch ein kleiner Vogel, den hatte er vergessen zu malen, weil er nicht zur rechten Zeit gekommen war. Da sagte der liebe Gott: „Warum kommst du so spät? Nun mußt du ganz ohne Farbe bleiben, ich habe keine mehr.“ Aber der kleine Vogel jammerte so, daß er allein keine Farbe haben solle, und sagte: „Da ist doch noch von jeder Farbe ein kleines Bißchen im Topf. Schmier‘ mir von jeder Farbe auch nur ein kleines Kleckschen an!“ Das tat denn der liebe Gott, und so kriegte der Vogel von allen Farben etwas.

Aus Oskar Dähnhardts „Natursagen“ von 1910